[ VIIIb ]
|
![]() Marcel Proust |
|
Arbeitsnotizen zum Proust-Abend der "Freunde toter Dichter",
24.2.1997, Biberach an der Riss
|
26.9.96
PROUST-ABEND
- wer hat was über P. wann geschrieben?
- Aufbau: (Musik?)
1) persönliche Begegnung mit P., der "Recherche"
(Musik ? ), 50 min
Pause
P.
- ... unerhörte Leichtigkeit des Stils ...
- César Franck: (Streich)Quartett in d-moll
- S. 463 Painter II: "... daß Marcel wirklich jung aussah, wie neun
undzwanzig ..." (1919 = 48 J.)
- S. 464: Rue Hamelin 44: "P. bewohnte eine kleine möblierte Wohnung
für 1600 Fr. Miete im fünften Stock (...)
--------------
- "Proust-Cassette" (Musik) zusammenstellen
- Enthüllungs/Verflechtungsprosa
- Schmidt: Dias (Fotos); Wisshack Proj. + Leinw.
- die gelierten Zweige; die Sträucher wie von Gelatine übergossen;
starr, grönländischer Glanz
- "die stimmung um halbfünf"
- Die Gesellschaft bewundert den Künstler, weil er die Individuen
erlöst. Die Individuen empfinden etwas Bestimmtes, das sie nicht
"fassen", ausdrücken können, nur erahnen - vielleicht; der Künstler
hat die Fähigkeit, mit seinem Werk dies Ahnen und "Vorwissen" zu
konkretisieren, ihm einen Ausdruck, eine Gestalt zu geben: die
Künstler geben den um den richtigen Ausdruck ringenden Individuen
ihre Sprache "zurück": die Individuen fühlen sich befreit, erlöst.
27.12.
- "die alten Jahre fallen ab
ich muss mich wieder häuten ..."
- ... biografischer Rekurs d.V.
30.12.
-------------------------------
- Die Sonne: ein ausfransender tennisball
P.: Briefe z. Leben I : S. 223
- anspielen auf ("1.") fin de siècle (1897 - ? (Brief?)
- P.-Lektüre erweiterte in einer von verhaltener Euphorie unterlegten
Zeitstimmung (+ persönlicher) den inneren Raum beträchtlich.
Steigerte das Lebensgefühl in eine überpersönliche Dimension. Und
auch erfahren, was es mit der transzendenten Wirkung von L. auf sich
haben kann.
- der besondere Reiz der "Recherche"-Lektüre in jenem Sommer, jener
vom Politischen durchwirkten Zeit lag ja auch darin, Tag für Tag
den Forderungen dieser durchpolitisierten Atmosphäre zu entwischen
und in die - ideologisch verpönte - "Welt der Decadence" einzu
steigen. - Zeitentrückung.
- die theoretischen Aspekte des Werks interessierten mich in jenem
Sommer der Lektüre noch nicht, mich faszinierte allein der
analytische und ironische Ton, der mir aus der "Recherche" entgegenkam. Der Theorie über Proust versuchte ich erst Jahre später
mich zu nähern; aber zu diesem Zeitpunkt war die Erregung der
ersten Begegnung, der ersten Lektüre schon längst abgeklungen,
und literaturwissenschaftliche Erörterungen schienen mir einerseits
langatmig zu sein, andererseits die Erinnerung an das Lesen damals
zu zerstören.
- Die sinnlich-bedeutungsvolle Erfahrung mit der Dünndruckausgabe
- eigene Biografie-Wiedererkennung "im Prinzip", im "Wesentlichen"
in der "Recherche"; war '73(?) noch nicht möglich
- '73: Ironie; ironische Haltung zu dem einnehmen, was da kommen
mag und wird - Gelassenheit//aber es nützte nicht viel//usw.
- die Sprache der Übersetzung
- "Combray" * 10 min , 1
- Der Satz (im Vortrag) über die Periode P.s ist selbst eine.
- Kafka: "Beschreibung eines Kampfes": "... noch sind die Wolken
oft von grauen Steinen abgehauen ..." S. 221
- "Kleine Proust-Kommentare" - Bücherei Di.
- "persönliche Anmerkung ..."
- "Der Kaiser verläßt die geschlagene Flotte
- Schaal - "Ruine" (Armin)
- dieser "Kino-Roman" müßte tatsächlich eine Art "Recherche"
sein, in der Kindheit beginnen, ca. 1962 (ein Jahr nach dem
Tod der Großmutter), als ich - zum ersten Mal? - ins Kino
ging - Karl May-Verfilmung "Der Schatz im Silbersee"
---------------------------------
- in der oberkreide sterben die saurier aus dinos
- Weil die früheren Schriften - "Les plaisirs .., ..... , ..... -
bei Betrachtung der Lebensleistung nur als "Vorstudien"
zum alles beherrschenden Werk der "Recherche" (erscheinen)
sich darstellen, ist es gerechtfertigt, gleich sich auf die
"Suche ..." einzustimmen.
- ... gewiefter Snob ... / gesellschaftliche Realität u. Kritik
- Raphael: 07356/894
----------------------------------
- die damalige Lektüre der "Recherche" fand in einer Zeit vor
etwas Neuem statt * "Studium" (dieses wiederum war nur eine
unbedeutende Episode, führte zunächst zu den "freien" und dann
zu den "gleichgültigen Jahren" (des Kinos)
- S. 283 TR: "Mehr noch: ..."
- Gliederung:
I
- Die Proust'sche Desilluionierungsprosa entsprach auch meinem
Bedürfnis nach umfassender und radikaler Kritik der menschlichen Verhältnisse, wie es sich eben auch in der Kritik
der herrschenden politischen Zustände äußerte. Der Proust'sche
"Ansatz", die Vor- und Selbsttäuschungen bloßzulegen, war für
mich durchaus ein gesellschaftskritisches Instrument.
- "Madeleine-Erlebnis": hier stiegt der Erzähler in die
"Binnensicht" ein
- Marcel selbst schreibt nicht mehr: "ich habe angefangen zu
schreiben" o.ä.
- Prousts Blick ist kühl; der eines Wissenschaftlers fast,
eines Botanikers der menschlichen Blüten (und Sumpfblüten),
die eine Gesellschaft des Übergangs treibt. (* Charlus/Jupien)
- "Die Gefangene": S. 339: "Wenn die Kunst nicht wirklich eine
Verlängerung des Lebens wäre, lohnte
es sich dann, ihr irgend etwas zu
opfern?"
- in diesen "Kino-Roman" müßten zahlreiche Rückblenden eingebaut sein * Erpff-Kino z.B. in "Krone-Bau" * "Kaufhaus
Schleehauf" * Mama später dort "am gleichen Ort" tätig;
meine "Besuche" nach der Schule (mittag) dort, wo sie mir z.B.
ein paar Mark gab, damit ich mir was zu Mittag kaufen konnte
- Rückblenden müßten bis ins erste Jahrzehnt des Jhdts gehen
("Jahrhundert des Kinos")
- Programm:
I 1. AUF DER SUCHE nach der verlorenen Zeit
"Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen."
2. Marcel Proust und sein Roman
"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"
(Ein Überblick.) (ca. 20 M)
II 4. Fotos aus Prousts Leben; nebst einigen
Anmerkungen (ca. 15 M)
- Meine Beschäftigung in jenem Sommer mit Proust - inmitten
der üblichen linken Aktivitäten, obwohl in den Sommern,
wenn ich nun versuche mich bewußt zu erinnern, so viel
auch gar nicht unternommen wurde, man paßte sich eben doch
auch sehr selbstverständlich dem herkömmlichen Jahresablauf an... - hatte auf fast natürliche Weise natürlich
einiges mit Snobismus zu tun; aber dies war ein eher unterernährter, ein kleinbürgerlicher Snobismus; und so war sie
nicht nur auf meine Neugier - und mein Erstaunen dann über
Prousts Bitterkeit und Selbstanklage und, auch das, Selbstverstellung - darauf, wie Proust das Lebensthema Homosexua-
lität einschätzte und verarbeitete (obwohl es freilich der
Grund gewesen war, auf ihn aufmerksam geworden zu sein)
und wie er für dieses Thema "warb", zurückzuführen, sondern
gleichzeitig ein Symptom für die mir durchaus angenehme
und eingestandene Eitelkeit, das im Bewußtsein, etwas leicht
Degoutantes zu genießen, noch ein wenig ausführlicher gehätschelt werden mußte ...
- Programm:
- Prousts Egozentrik - eine beachtliche Egozentrik, der
die Bewunderung nicht versagt werden darf - resultiert
nicht aus der Krankheit, sondern die Krankheit, zumindest
ihr nucleus, ist eine Folge der bis zur Selbstzerstörung
gesteigerten Selbstbessenheit.
- Tagebuchnotiz vom 24.5.75:
- Tagebuchnotiz vom 26.5.75:
- Tagebuchnotiz vom 2.8.75:
- Tagebuchnotiz vom 9.8.75:
- Tagebuchnotiz vom 19.8.75:
- Die Recherche-Lektüre geschah im Sommer '74. Im Sommer
'73 leistete ich noch (bis Ende August) den Zivildienst
ab, hatte also vor- und nachmittags gar keine Zeit, zuhause am Schreibtisch Proust zu lesen.
- S. 416 - 427 "Gefangene" (Mme Verdurin, Morel)
- "M.P. und sein Roman ..."
Pause
- 30 Dias zu Prousts Leben, 20 Min
- Pause
- od.
Programm
(Camille Saint-Saens: Symphonie Nr. 3 "Orgel-Symphonie")
- Pause -
(Ludwig v. Beethoven: Streichquartett B-Dur op. 130)
Fr. 15.30 : Stefan H., Café W.
(glücklicherweise habe ich ein solches Verfahren nicht
nötig, um den sogenannten Höhepunkt zu erreichen...
(Dafür dürfte mir's schwerfallen, etwas wie die 'Recherche'
zu schreiben.)
- "S u. G I": S. 346: "... meine sorgenvolle Voreingenommenheit
in Richtung Gomorra..."
- Vita P.:
- Dias: Di., 18.30 Schmidt,
Mi. Mock
- Fr. Mock, So. Projektor
*********
27.9.
( Sommer '74 / '73?), 15 min
literarisch
Erinnerung
2) "Recherche" 20 min
3) Briefe zum Leben, 15 min
4) Zur Biografie / Überblick / Abriß, 10 min
5) "Kleines" (Pastiches etc), 15 min
(Musik ? )
6) 25 Min. "Recherche", 50 min
--------
( Musik ? ), 110 min
+ 10 min Musik
--------
120 min
26.11.
*
- Anhand der "Recherche" erleben (jetzt), was in ihr steht.
*
- Eine Autobiographie auf indirekte Weise:
"Strauß"-Poem - Film - Lesung mit der Rockgruppe - Proust-Abend
- (Kino-Roman)
12.12.
---------------------------
- weitere Musik: Schumann, Ravel, Mozart, Beethoven (späte Str.quart.)
Violinsonate Franck (3. Satz)
12.12.
- Bemerkung von Raphael kürzlich, seine Begleiterin
habe mich auf 29 geschätzt...
- gestern (11.), nach bald einem Vierteljahrhundert nach der ersten
Lektüre, die "Recherche" gekauft.
"Den Kindern, die im Stock über ihm hin- und herrannten,
schenkte er Hausschuhe aus Filz."
Sollte ich auch tun!
16.12.
- lange Sätze: Komplexität
- Welt öffnete sich, gewann an Tiefenschärfe
- ironische Melancholie/zarter Anflug von Ironie
20.12.
23.12.
24.12.
- APO-Kassette für Philip!
-------------------------------
2.1.97
- Eiszapfen: Bajonettspitzen
3.1.
- " - II : S. 413
S. 421
S. 603
Briefe z. Werk: S. 125
S. 161
S. 225
S. 231
S. 235
S. 241
S. 253
S. 281
5.1.
24.2.
- jener Unterricht führte jedoch nicht dazu
(und dessen Fortführung im späteren Leben auch nicht),
daß ich eines Sommers dann die "Recherche" in Französisch hätte
lesen können, ein (Versäumnis) ...
* Wie literar. Erkenntnis auf das Leben des empfänglichen Lesers
unmittelbar einwirkt.
* man weiß während der Lektüre, klüger zu werden * Überlegen
heitsgefühle
- indem ich mich mit dem Roman über die verlorene und wiedergefundene
Zeit beschäftigte, nach mehr als 20 Jahren, bin ich selber dabei,
meine verlorene Zeit wiederzufinden.
6.1.
- Die schon mittags begonnene und bis in die Nacht fortgesetzte
Lektüre des Proust-Textes und der Textanalyse, nur von den
tages- und lebensüblichen kleinen Tätigkeiten, wie Speisen,
Tee zubereiten, sinnend am Fenster stehen, unterbrochen, am
Dreikönigstages dieses Jahres, erinnerte mich, während ich
las, studierte - auch, ein die folgende Konzentration wieder
herstellender Akt der Ablenkung, einen Gedichtanfang in die
Maschine tippte - und dann doch mit dem Aufzug hinunterfuhr,
um aus dem Briefkasten CDs und Kassetten, welche ein Freund
vormittags hineingeworfen hatte, herauszuholen, an jene Wintertage nach Weihnachten und Neujahr meiner Schülerzeit, als ich
während der Ferien - und sogar die Strenge unseres jetzigen
Winters ließ sich mit der damaliger Schneezeit vergleichen -
tagelang kaum das Haus verließ und mich in den Szenerien und
Romanen verlor.
7.1.
, 25
- "Combray" * 15 min , 2
- über mein Verhältnis zu ... (und über seines zu mir...) nachdenken.
- die "Madeleine-Stelle" an den Schluß setzen!
- Kreis "geschlossen": Intention Prousts/Anfang/Ende
- gleich nach
dem Anfang
geschrieben?
- den Lexikonartikel als Vorlage und Anleitung für einen inhaltlichen
und theoret. Abriß nutzen
- das wissende Einverständnis und die Übereinstimmung des Vortragenden
mit seinem Stoff...
z.B. "Strauß"-Erinnerung (während der Beschäftigung mit
"Str."-Thema immer unterschwellig u. gleichzeitig an
Proust gedacht)
(- "... die Zeit der Bücher mit den langen Sätzen...")
8.1.
- Schluß: Stein, über den Marcel stolpert + Madeleine-Evoc.
- "Erzähler" ist das sich erinnernde Ich
"Marcel" ist das erinnerte Ich in seinem Werdegang
* "Zeitschleife"?
Möbiusband?
(das seine jeweilige Zukunft eben
noch nicht kennt - Befangenheit im
jeweiligen Erkenntnisstand)
- aus "Strauß"- und "Proust"-Abenden (Themen)
etwas für's Radio machen? Unter Verwendung der Tonaufnahmen
(O-Ton)
- es wäre die Zusammenführung beider Projekte; das Gesamtprojekt
"Erinnerung" würde verdeutlicht.
9.1.
11.1.
- 2. Teil Abend: "Sodom + Gomorra"
1.) "persönliche Anmerkungen..."
2.) Charlus usw.,
Albertine lesb.?
- (Gedicht: "A Jacket From Beckett")
d. sagte auf englisch,
weil ich des Französischen
nicht so mächtig bin:
"I got a jacket from beckett"
...
13.1.
fasziniert von der bewußt und unbewußt hergestellten Exzentrik
und Ausschließlichkeit dieses Schriftstellerlebens...
- I Vom Einschlafen u. Erwachen ("Auf der Suche...". "Combray")
II Der Gutenachtkuß ("Combray") 35 Min.
- "Marcel" hat zum Schluß die Zeit sozusagen aufgeholt, die ihn
bis dahin vom "Erzähler" trennte und unterschied: "deckungsgleich"
- die "Fenster" im Text (Erzähler kommentiert plötzlich
das Geschehen in Marcels Leben)
(Shattuck S. 125)
- Gedächtnis, Erinnerung, Virtualität
15.1.
mit diesem Satz wachst du auf aus dem Dösen
und mit dem Bild eines hölzernen Langboots
hinter dem Rauch über dem Meer quillt
16.1.
- "Zeit-Roman" (BRD/DDR; bis '89) * in die Gegenwart
Thema "Zeit"
(Thema SF/Utopie) * frühe Jugend
Politik/Philosophie
Studium
- alles gespiegelt ("Wegmarken") durch Filme, Kinogehen
- Zeitumfang ca 40 J. 1958 - 1998?
- Montagen/Collagen/Fotos/alte Texte
- endet in einem SF-Berlin (2007?) ("Epilog")
- Mo Wo-Blatt Foto/Veranst.ort!
- Fr. 10.00 INFO
---------------------------------
das weiss jedes kind
19.1.
- beginnen mit Ausführungen zum "fin de siécle" (Prousts, unseres)
- Baudelaire-Gedicht "Die Uhr" voranstellen?
- fort von der Illusion der gesellschaftlichen Utopie
hin zum desillusionierten Blick auf den Menschen und seine
Umstände
- diese beiden Aspekte haben mich immer gleichzeitig interes.
- Die "persönl. Anmerkungen" aus Zeitgründen - "Zeit..." -
fallenlassen; ev. extra publizieren (Fotokopien)
- ... und ich bin mir sicher, daß ich doch auch eine Anzahl
- nicht alle, das nicht - der subtilsten Erkenntnisse angenommen u. für bemerkenswert, wenn nicht sogar wegweisend
richtig in mir eingespeichert hatte - wie sonst hätte mir
die Grundstimmung, die Melodie, der Sound des Werks erhalten
bleiben können; ein Sound, der mich, ohne daß ich ihn ständig
gehört hätte, durch alle die Jahre ...
- Proust-Abend
Musik Saint-Saens
I
1. Baudelaire-Gedicht, 5 min
2. Vom Einschlafen u. Erwachen
("Recherche"; Combray)
3. Der Gutenachtkuß/ 35 min
+ Swann
10 min
--------
40 min
= 45 min
5. "Inhaltsangabe Recherche", 10 min
---------
65 min
= ca. 21.10 h
Pause 10 Min
Beethoven
II
6. Leben Prousts (mit Dias), 15 min
7. (vorlesen) Albertine
8. + M. de Charlus/Jupien?, 15 min
9. "biograf. Notiz d. Vorlesers", 15 min
--------
45 min
10. Schluß "Recherche"/Madeleine"-Stelle (Kreis schließen)
Musik César Franck? (Schubert?) (Debussy?)
= ca. 22.20 h
20.1.
- "Leistungsfähigkeit" von Kunst; Prousts Schluß/Walsers Kommentar,
"Proustiana"
- "Festwochen voller Metaphysik" (W.)
- Der Kosmos Proust öffnet sich wieder; dieses Mal aber habe ich
ihn - oder das Labyrinth, das sich wie ein Kosmos mit zunächst
unerklärlichen Zusammenhängen konstruiert - durch einen anderen
Eingang betreten (Und mit "geklärteren" Augen, womöglich.)
- ... stille Genugtuung (die Kritik d. Snobismus usw.)
21.1.
- Shattuck, S. 148 oben! -- "persönl. Notizen..."
- "Vetiverduft"? / Bergson / "Defizienz"? / George Sand
- der "Erzähler" liefert den philosoph. "Überbau", Refexionen,
deren "praktische Auswirkungen" Marcel eben durchlebt
* bis Schluß, wo beide "eins" werden (/Zeitschleife?/)
- "Kümmert sich auch um andere Leute"
- Beginn des Abends bei der Herzogin de G. * Komik
G II 554 - 568
(551 - )
- G II 572: "Kleinchen" * Lindelestr. 2: die unteren Mieter: "Kleinerchen"
die plötzliche Übereinstimmung - eine frappante - hatte
der Lektüre eine gewisse bedeutsame Kongruenz verliehen.
- Selbstfindung des Erzählers nimmt mit der Brüchigkeit der
Hierarchien im Verlauf der "R" zu
- Jauß: S. 246: ... wie ich damals war ... (erinnertes Ich)
(springt ins Damals, "lebt dort")
- Die "Zeit"-Problematik zu Beginn des 20. Jahrh.
* Einsteins Relativitätstheorie / Zeit + Raum
* Bergson / * kann Analogie zu P. hergestellt
werden; "Recherche"-Kosmos?
"in sich gekrümmter, unendlicher Raum"
- erinnerndes + erinnertes Ich werden "deckungsgleich"
* Distanz wird aufgehoben?
23.1.
- Mo. 15 Uhr Armin, Café Weichardt
----------------------------------
24.1.
- die Lektüre der "Recherche" war meine Initiation ins Leben nach
der ("frühen") Jugend * Motive des eigenen - kommenden - Lebens
vorgezeichnet: Zweifel an schriftstellerischem Talent, Liebe,
Eifersucht, Erlöschen der Liebe, Gleichgültigkeit ...
- meine Evokation der Wiedergefundenen Zeit war die "Strauß"-
Ruine und der Film; seine div. Handlungselemente * "Kreis"
schließt sich und wird auch im "Strauß"-Text und Film durch den
Hinweis auf die "langen Sätze" dargestellt
- ergo wäre es nun an der Zeit, ernsthaft über die Zeit der
letzten vierzig Jahre zu schreiben...
Obgleich ich M. Proust nicht alles nachmachen sollte (was auch
schwierig sein dürfte), so wär' es doch ein hübsches "initial"
- das begann mir schon während des Schreibens am "Strauß"-Text
klar zu werden; und der Film konkretisiert diese innersten
Überlegungen und Zusammenhänge
- die Sylvesternacht 77/78 in der "Karpfengasse 24" * Karl Kiem
26.1.
- S. 497 TR: "Mikroskop" * "Teleskop"
"... jedes für sich eine Welt"
- Jauß, S. 280: zitieren
- ich erinnere mich jetzt (unwillentlich) auch an die nahezu
fieberhafte Eile, in der ich die "Recherche" zuende las; ein
gieriges Einsaugen der Zeilen (Ungeduld); und war das Wetter
nicht regnerisch, als ich den letzten Satz beendet hatte?
27.1.
Musik / Camille Saint-Saens: Symphonie Nr. 3
1. "A la recherche du temps perdu" / "Auf der Suche nach der
verlorenen Zeit" (Combray),
"Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen."
2.
- Tee + Madeleine
am Abend!
- Treffen der MPG!
- Die "Madeleine-Episode" nicht lesen;
weil das jeder täte; Anfang + Ende der "R" im
Sinn von Jauß: Matinée * "zurück" zur Szene mit
dem Vater u. weiter bis: "... Stille des Abends..." (S. 53 S)
* ENDE
- Psychogramm der Eifersucht (S. 117 * 122!)
"Gefangene"
126, 133
- "... in der eiskalten ... Vernunft des Wachseins..." S.163
- P. ist der Chronist der Unmöglichkeit der Liebe, auch der
"unmöglichen"; weil alles Lieben unaufhaltsam vom Leiden
an ihm, von den Qualen der Eifersucht und - danach - von
der Indifferenz, die die Zeit hervorruft, zerstört wird.
28.1.
- Auch gefiel mir - und heute gefällt es mir mindestens ebenso
gut... - die rigorose Ausbeutung der eigenen Biografie, die
aber nicht zur Selbstbejubelung mißbraucht, sondern zur
kritischen Selbstanalyse genutzt wird, zur Selbsterkenntnis;
ein zusätzlicher Aspekt ist der Ausdruck einer gleichzeitigen
Selbstsicherheit (ironisch und melancholisch gebrochen) des
Schreibenden: seine Existenz, sein Leben, so wie es sich entwickelte und noch weiter entwickelt ist ihm etwas wert, etwas,
viel sogar, das sich für die Transformation in ein objektives
Werk eignet; dieser Standpunkt vermittelt auch dem Leser
Sicherheit, auch er darf sich in der berechtigten Hoffnung
wiegen, daß sein Leben ebenfalls Stoff eines Romans sein
könnte; sein Leben "zählt".
30.1.
der Erzähler praktiziert die "Draufsicht"
- die "Recherche" ist ein Roman über jemanden, der doch noch
einen Roman schreibt und diesen - indirekten - Weg zur Kunst
schildert (Irrungen, Täuschungen, "Essenz" der Dinge)
- S. 279, Jauß: Das Ende schwebt bereits am Anfang über der
Erzählung (Weinen d. Kindes)
- "Marcel" ist zum Erzähler geworden, in diesem Abschnitt,
hat den "Sprung" in das "morgen", vor dem "Marcel" in der
Matinée noch steht, inzwischen gemacht (?)
- S. 282, Jauß: "... auf dieser Schwelle ..."
* "nunc terminal"?
- TR: Schluß, S. 506: "... wenn mir noch Kraft genug bliebe,
um mein Werk ..."
* Marcel spekuliert noch über das, was der
Erzähler längst vollbracht hat
- Jauß: "Roman des Romans": jemand - der "Erzähler", nicht
Proust - schreibt einen Roman, in dem sein vormaliges
Ich bis zum Schluß seines Müßiggängerlebens sich
ständig fragt, und diese Frage ständig mit einem
"vermutlich nicht" beantwortet, ob es je fähig sein
werde, einen Roman zu schreiben und sich letztlich,
nach einer Reihe von unwillentlichen Erinnerungen, in
die Lage versetzt sieht, es womöglich doch zu können,
weil dieses bisher müßiggängerische Ich erkennt, daß
sein ihm auf belanglose Weise entschwundenes Leben
eigentlich doch recht lebenswert gewesen und des Aufschreibens würdig sei. Er versetzt sich ab einer be-
stimmten "Stelle", an einem Zeitpunkt seines Lebens
in dieses zurück und tut so, als kennte er den Weg,
den er nun geht, noch nicht, ist dieses frühere Ich;
und schiebt "dazwischen" gelegentlich seine - abgeklärten, aus der Höhe der Erfahrung herunter - kommen-
tierenden Reflexionen. Und er schildert diesen Weg
mit seinen Täuschungen und Selbstäuschungen und seinen
Neben- und Irrwegen, den vielfältigen neuen Konfigurationen bis zu jenem Augenblick, der sehr kurz vor d e m
liegt, in dem er d a s tun w i r d , was er die ganze
Zeit s c h o n g e t a n h a t : schreiben, daß ein
Ich auf seinem Weg ständig fragt, ob es je ein Schrift-
steller sein würde und statt zu schreiben sich mit den
Erlebnissen in seiner Familie und den Freunden und den
Enttäuschungen der eigenen Liebe und der anderer beschäftigt, bis es eines späten Tages erkennt, daß ...
- Was ist das "nunc terminal" und wo liegt es?
2.2.
- "Sprung" auf der Matinée zwischen Marcel u. Erzähler
* Jauß * "Schwelle"
- Auch am Anfang (Swann, "Glöckchen") setzt der Erzähler
auf die "Glöckchen"-Szene zurück. (Ende * Anfang).
Und zwar einige Tage nach der Matinée
* Marcel ist zum Erzähler geworden, hat zu schreiben
begonnen.
(2. Beispiel: Madem. Saint-Loup, Tansonville, "Einschlafen")
- I
1. A la recherche ...
Combray
Vom Einschlafen und Erwachen
2. Ein langer Satz über Marcel Proust
3.2.
- der melancholische Grundton wird aufgehellt durch die tröst-
liche Erkenntnis, daß die verlorene Zeit (im Kunstwerk) sich
darstellen und erschließen läßt; nicht nur nimmt, indem sie das
Individuum und reflektierende Subjekt desillusioniert und unaufhaltsam auf den Tod zubewegt, sondern während ihrer Herrschaft
über den Menschen, oder genauer gesagt während der gegenseitigen
Einwirkung von Mensch und Zeit, diesem viele Möglichkeiten,
sich letztlich in allen seinen Irrtümern und den geglückten
Zuständen des Lebens anzunehmen, bereitstellt. Von Selbsterkenntnis zu Selbsterkenntnis sein wahres Ich oder sogar seine
Berufung, seine nur ihm gegebene Möglichkeit, das Leben so
und nicht anders zu führen, zeigt und so den Einklang des
irrenden Menschen mit sich selbst erwirkt. Und das Kunstwerk,
in der Zeit und mit ihrer Hilfe entstanden, gereift, entreißt
sich ihr und stellt sich außerhalb; "es fließt nicht mehr mit";
darum kann man an ihm die Stadien der banal strömenden Zeit
erkennen. Wegemarkierungen.
- Prousts (moderne) Auffassung von "Kunst"!
- "Drei Briefe zum Leben, zwei zum Werk. Und ein Kommentar von
Uwe Daube."
- Eifersucht als "Urstoff" des P.schen Erzählens (Helbling, S.19)
- "Sodom und Gomorra" (Baron de Charlus)
- "Die Gefangene" (Beckett-Text auch?)
- Komik (Prinz. v. Parma-Szene)
4.2.
- S. 336 - 344?
- "Profanisierung Vinteuils durch Tochter + Freundin"
(S. 349) * s. Prousts Verhalten
* Schuldgefühle wegen "krankhafter" Prof./Erniedr.
(Umgekehrtes Verhältnis: Tochter - Vater (Roman)
Sohn - Mutter (Leben)
* Lust "funktioniert" (denn es ist ein geradezu mechanischer
Vorgang) nur aufgrund des krassen Widerspruchs zum vor-
herigen "Kult"
* Versuch, die Fixierung zu "bannen"
- S. 363: Charlus: "... die angemessenen Riten für das Zele-
brieren einer wirklichen Feierlichkeit."
- S. 402: Charlus' angebliche Beziehung mit Odette
(S. ? "In Swanns Welt") wird erklärt
- die Lektüre der "Recherche" damals war ja - habe ich das schon
berücksichtigt? - eine, meine, Initiation gewesen, weshalb ich
die üblichen Riten (Examina etc) nicht mitzumachen brauchte
5.2.
- verschiedene Aspekte: Stummfilm/Ton-; Nazizeit in BC,
Fünfziger Jahre sowieso (da sind wir aber schon in meiner
Biografie)
- den Gesamttext eh "filmtechnisch" strukturieren; Montage/Schnitt usw.
* das "blanc" bei Flaubert
- das war eben eine "unwillentliche Erinnerung" ... Proust
Musik: Camille Saint-Saens (Symphonie Nr.3)
(A la recherche du temps perdu)
In Swanns Welt. Erster Teil. Combray (ca. 20 M)
3. - Combray
Der Gutenachtkuß.
- Pause. -
Musik: Ludwig v. Beethoven,
Streichquartett B-Dur op. 130
5. Liebe, Eifersucht, Musik
- "Im Schatten junger Mädchenblüte. Zweiter Teil."
(- "Sodom und Gomorra. Zweites Kapitel") (ca. 20 M)
- "Die Gefangene" /S. 348 ff. auch
6. ...
6.2.
- die "Recherche" ist ja durchaus als eine Art Arbeitsbericht
aufzunehmen: hier wird über die Arbeit berichtet, der es
bedarf, die "Schuppen vor den Augen" zu beseitigen, um nicht
zuletzt das eigene Leben so zu erkennen, wie es (geworden)
ist. Aber das ist ja das Anliegen jeden Romans, also ist
das kein Spezifikum der "R". Aber s. Deleuze, bei Jauß
zitiert: "Das Wesentliche in der Recherche sind nicht Erinnerung und Zeit, sondern Zeichen und Wahrheit. Es geht
hier nicht eigentlich darum, sich zu erinnern, sondern zu
lernen."
* "großes Abenteuer des Unfreiwilligen"
* die Suche führt zu den "reinen, nicht mehr materiellen
Zeichen der Kunst."
- soeben lese ich, daß P. (das war mir bis zum Augenblick
entgangen) Politikwissenschaft, nach dem Militärdienst,
studierte. Diese kleinen Gemeinsamkeiten amüsieren mich,
unterstreichen die Sympathie und Affinität für sein Werk -
nicht unbedingt die Person, wiewohl sie selbstverständlich
faszinatorische Wirkung immer auf mich hatte - und sollten
mich im gleichen Augenblick vor jedem lächerlichen Versuch,
einen Vergleich herzustellen, bewahren.
- "Gefangene", S. 331 - 345
" - " , S. 338 oben: 15 min!
- " - " , S. 414 - 427 oben
(Intrige der Mme Verdurin auf der Soirée)
- zuvor: Charlus' Überheblichkeit Mme Verdurin gegenüber
" - " (S. 354 - 363 ?) = ca. 35 min!
+ 15 min
- die Äußerungen über P.
in Punkt II 4. unterbringen
+ 35
----------
85 = 1 Stunde 15
- die Briefe?
+ 10 nach Pause
----------
95
1 St. 15 = 22.30 h
- (Foto von mir in Karpfengasse 24, von K. Kiem; '77
(Zeitungen)
7.2.
Musik: Saint-Saens
I
1. AUF DER SUCHE ...
(A la recherche...)
"In Swanns Welt. Erster Teil. Combray."
- M. Swann kommt, und der Gutenachtkuß ist
gefährdet ... 20 Min
2. Marcel Proust und sein Roman ... 20 Min
3. - "Im Schatten junger Mädchenblüte. Zweiter Teil."
- "Die Welt der Guermantes"
8.2.
- in jungen Jahren ein Dandy und Snob, war Proust in seinen
späten deren ins Groteske verzerrte Karikatur; die Eleganz
hatte sich, endlich, ins Werk begeben, sie war im Leben
nicht mehr so wichtig. Das allein ist schon ein Beispiel
dafür, wie Proust - vermutlich unabsichtlich - praktizierte,
was er propagierte. Die Transponierung eines Lebens in Kunst.
Die geglückte Kunst nobilitiert und strukturiert gerade das
während des Lebens scheinbar mißlingende Leben nachträglich
sinnfällig.
- der sehr bewußte snobistische Aspekt meiner damaligen
Recherche-Lektüre (es tat einfach gut, beiläufig sagen zu
können, man lese Proust ...) verband sich aber auch mit dem
Vergnügen, inmitten einer von Politfloskeln gesättigten
Umgangssprache (in der linken Szene) und dem sowieso unerträglichen Alltagsgegrunze, sich in der Sprachlandschaft eines
stilistischen Souveräns ergehen zu können, deren Wege, die
ich in jenem Sommer jeden Tag betrat, mich aber aus der
Wirklichkeit (die eben oft den Charakter des Scheinhaften
hat) der menschlichen Verhältnisse nicht hinaus- , sondern
mitten, besser, als jede sogenannte Realität es vermocht
hätte, in sie hineinführten. An jedem Sommertag lernte ich
dazu. Es war ein Crashkurs in Sachen Durchblick.
9.2.
"- Erinnerung: Französisch-Stunde * Prousts "Ratten"
"- Proust-Lektüre verarbeiten!"
"- das warme Abendlicht mit seinem zarten Schatten -
- "Eagles": "One of these nights"
- eine Art von Grausamkeit in A.s beobachtend-abwartendem
Verhalten * hält die Hilfe zurück, die möglicherweise
sogar gewünscht wird. * Rache?
- Liebe & Leiden * Proust
- die Gleichgültigkeit nach einer Anzahl von Jahren.
- A. auch beruflich gescheitert: Studium abgeschlossen, aber
keine Überzeugung mehr vorhanden
- die Lüge
- total kontrolliertes Verhalten * Stumpfheit
* Gleichgültigkeit * Verachtung
- Opportunismus privat/Politik"
"- Beziehung E.- Bangla; Gespräch im "kleinen Kreis"
- die Motorradfans
- die nachfolgende "unpolitische" Generation"
"- Zynismus * s. "Formierung..."
- Vorwurf des "nur Registrierens"
- jedes Liebeserlebnis spielt sich nach dem Muster des
ersten ab * Proust; V.- Vo.
- die "Erfolge" bei Vo.
- die Angelegenheit mit Vo. als "Antithese" zu der mit V.?
- V.s schneller Blick im "Str."
- die Auffrischungen des pol. Bewußtseins.
- A. hatte den Materialismus zwar (abstrakt) im Kopf,
lebte aber "idealistisch" * realisierte seine unmittelbaren materialistischen (d.s. sinnlichen) Bedürfnisse
nicht. Deshalb kam er eines Tages ins Schleudern."
- Ich sah natürlich den gesellschaftskritischen Aspekt
in der "Recherche". Schließlich handelt sie auch von
den Veränderungen in der französischen Gesellschaft;
Niedergang der Aristokratie; die pseudoaristokratischen
Bemühungen der Bourgeoisie (Mme Verdurin, die zum Schluß
zur Prinzessin von Guermantes wird z.B.); Dreyfus-Affäre;
das Verhältnis des Künstlers zur Gesellschaft.
Dreyfus-Affäre: Man kann Proust, wenn man mal etwas
emphatisch und so undifferenziert argumentieren will,
durchaus eine "linke" Einstellung zugutehalten; und
freilich war sein Sensorium für Unrecht und Ausgrenzung
und Sündenbock-Macherei ihm eingeboren - schließlich
war er das, was hierzulande die Nationalsozialisten, die
nicht allein aus diesem Grund, sondern aus prinzipiellem
Haß gegen psychologische Tiefenschärfe ihn auf den Index
setzten, als "Halbjuden" bezeichneten.
S. auch die Äußerungen in der "Recherche" über den sozialen
Kontext der Literatur.
P. war eben nicht nur der décadent, als der er gern dargestellt wird, der Spekulant und "Coupon-Schneider".
- Aus der Rezension des Meyrink-Romans "Der Golem"; '73
geschrieben, also vor der "Recherche"-Lektüre:
"Primär die mondäne und morbide Welt der Decadence, die
Salons der bürgerlichen Snobs und aristokratischen Absteiger, machte auch hierzulande Stimmung, und das in
der deutschen Art. Mit Oscar Wilde und Marcel Proust
waren England und Frankreich zwar schon weiter, (...),
jedoch die "Wollust des Untergangs" spukte auch in
deutschen Dichterköpfen. Todeswonne schilderte gerade
wieder Thomas Mann in seiner 1913 erschienenen Novelle
DER TOD IN VENEDIG; im morschen Glanz der Stadt am Lido
verklärt sich bürgerlicher Niedergang in elegische Intensität dichterischen Scheiterns."
- 4 x ca. 15 Min "Recherche", 60 Min
20 Min "M.P. und ..."
20 Min Dias ,100
10 Min Briefe
10 Min Zeitungsartikel ,120
+ 10 Min Pause
-----------
130
2 Std 10
= 22.15 h
- "R": 1. "M. Swann kommt ..."
2. "Albertine, dieses obskure Objekt der Begierde"
3. "Eine Intrige auf der Soirée der Mme Verdurin"
4. "Fünf Evokationen vor der Matinée der Prinz. von
Guermantes und die Möglichkeit, doch noch Schrift-
steller zu werden"
10.2.
* 3.
- S. 256 - 263 TR: 20 Min. * 4.
S. 499 - Schluß * 4. Teil "R": 20 Min
- Dias: Mo., 17., 18.30 Schmidt
- "Eine kleine Trennungskomödie": S. 472 - 478 "Gefang."
* 2.? + S. 484 - 488?
- dann die unerwartete Trennung,
die A. vollzieht: S. 554 - 556
- 120:2= = 6 Teile à 20 Min
- S. 500 - Schluß: 20 Min
- In gut zweieinhalb Stunden Prousts Romanuniversum, die
"Recherche", und dazu noch sein Leben, einzelne Momente
darin, die ausführlicher zu Wort kommen sollten, vorzustellen, ist ein Unterfangen, dem die Unmöglichkeit und
das Unverständlich-Fragmentarische, sprich also das
Scheitern und auch eine Art von Unhöflichkeit dem Autor
der "Suche auf der verlorenen Zeit" gegenüber von vornherein eingeschrieben zu sein scheint, und so wird der
hier dieses Werk und dieses Leben Skizzierende und drei
längere Auszüge aus dem Werk Vorlesende gut daran tun,
sowohl den Autor wie auch den hier sich eingefundenen
Kreis um Verständnis, das einer entschuldigenden Nachsicht nahe kommen mag, zu bitten. Freilich ... Werk
liebt, das seit vielen Jahren ... Sylvesternacht ....
11.2.
I Das Werk (vor Pause)
II Das Leben (nach Pause)
mit Dias
- Eifersucht/Liebe: "Gefang." S. 293 - 298, 10 Min
- Charlus: 10 min.
- Albertine (Beckett), 7 min (Zu Alb.: Helbling, S. 26)
- Freundschaft: 4 min
- Duc u. Duchesse de G.: Helbling S. 31 - 36 , 4 min
- Künstler und Gesellschaft: H. S. 69 - 73: 6 Min
Die Verdurins
- Komposition und Schluß: H. 106, 107: 3 Min
ca. 47
ca. 3/4 Stunde
- TR: S. 296 "wahre Leben"/Literatur, 7 min
S. 299
- Schluß: knapp 20 M
- "Der Schluß der 'Recherche' - der zum Anfang(en) führt"
- 5 P.-Textstellen
- "Intermittences du coeur": S. 218 - 221 S + G 1
ca. 8 Min
- Literatur/das "wahre Leben", 7 "
- 2 Briefe von Proust, 5 "
- Albertine/Eifersucht/Liebe, 10 "
- Albertine; Samuel Beckett, 7 "
- 1 Brief (Erläut. d.R.), 3 "
- Komp. u. Schluß, 3 "
- Der Schluß der 'R' - der ... 20 "
----------
= 1 Std 15
= 22.30
___________________________________________________________
- Der Gutenachtkuß, 20 M
- M.P.s Roman "A la ...", 25 "
1. Überblick/Inhalt incl. Guermantes, 10 eig. Text
2. Charlus, 10 H
3. Verdurin/Künstler, 6 "
2 Aspekte ausführlicher
- "Die 'Intermittenz des Herzens', 15 "
------
ca. 21.o5 h
- Gutenachtkuß 20 P
- M.P. Roman ... 15
- Baron Charlus 10
- "Intermittenz" 15 P
------
60
- Liebe/Leiden / S. 122 "Gefang."
+ Charlus/Eifersucht/"Frl. Vinteuils" ca. 20
______________
- 30 Dias zu Marcel Prousts Leben 20 (15)
- Albertine: Liebe und Eifersucht
(S. 122 -123; S. 293 - 298) 15 P
- Albertine (2): Samuel Becketts
Interpretation 7 B
- Die Literatur und das "wahre Leben" 7 P = 45 M
- 3 Briefe 8 P
- Ende und Anfang 13
- ("was ich selbst zu schreiben hatte,
war anderes und längeres als bloße
Abschiedsbriefe ..." - FIN 20 P
-------
22.35 h
- Der Gutenachtkuß ("Du côté de chez Swann. Combray")
("In Swanns Welt")
- Marcel Prousts Roman "AUF DER SUCHE NACH DER VERLORENEN ZEIT"
("A la recherche du temps perdu")
- Baron de Charlus (aus: Hanno Helbling, "Erinnertes Leben.
Marcel Prousts 'Suche nach der verlorenen Zeit'"; st 1547)
- Die "Intermittenz des Herzens" ("Sodome et Gomorrhe"
"Sodom und Gomorra. Zweiter Teil 1")
- 25 Dias zu Marcel Prousts Leben
- Albertine: Liebe und Eifersucht ("La Prisonnière",
"Die Gefangene")
- Albertine (2): Samuel Becketts Interpretation
- Literatur und "wahres Leben" ("Le temps retrouvé",
"Die Wiedergefundene Zeit")
- 3 Briefe von Proust
- FIN ("Le temps retrouvé")
Debussy? Franck?
12.2.
------------------------------
Bialas-Madlener: anrufen: (April/"Autoren")
13.2.
- zum Notat von gestern (im Kino geschrieben, und dort auch
den "Vor-Satz" gedacht:)
- die "entweihte Fotografie" d. Mutter u. die Ratten im
Bordell: ich machte mich also zu Beginn meiner Beschäftigung mit Proust etwas lustig über ihn, zugleich gefiel
mir die außergewöhnliche Exzentrik dieses "Typs", hinter
der Tragik und Selbsthaß (denn diese "Entweih." war nichts
anderes als eine Form auch der Selbstkasteiung, und im
"gleichen" Bordell läßt Charlus sich ja schlagen...) und
natürlich auch ein hochentwickeltes Bewußtsein von der
eigenen psychol. Disposition zu vermuten war; und so wurde
P. damals für mich der "Schriftsteller" par exemple.
Woraus sich auch das fortwährende Interesse an ihm erklärt.
- mit etwa 10 J. erster Asthma-Anfall
(psychosom.)
- 19 J.: Aufnahme des Studiums/H. Bergson,
Tod der Großmutter
- 20 J.: Cabourg, Seebad -- "Balbec"
- 22 J.: Bekanntschaft mit R. de Montesquiou beginnt
- 23 J.: Freundschaft mit Reynaldo Hahn
(- ich kannte in diesem Alter auch einen
"Ronald Hahn" - in Wuppertal...)
- 24 J.: "Stelle" in Bibl. M.
- 25 J.: "Les Plaisirs ..." veröffentlicht
- 26 J.: Duell/Beginn der regelmäßigen Asthma-Anfälle
- 27 J.: Einsetzen f. Dreyfus
- 28 J.: Ruskin
- 32 J.: Tod d. Vaters
- 33 J.: "La Bible d'Amiens"
- 34 J.: Tod der Mutter/Krise
- 35 J.: "Sésame et les Lys",
Boulevard Haussmann 102/Korkzimmer,
ab nun ausschließlich lit. Arbeit
- 38 J.: "Contre Sainte-Beuve"/abgelehnt
- 42 J.: "Du Coté de chez Swann"
(- noch 42 J.): Tod Agostinellis/"Trennung" halbes Jahr vorher
- 47 J.: "A l'Ombre ..."
- 48 J.: "Pastiches ..."
- 49 J.: "Du Coté de Guermantes I"
- 50 J.: Flaubert-Essay,
"Guermantes II"/"Sodome et Gomorrhe I"
- 51 J.: "S u. G. II"
17.2.
18.2.
- Painter, S. 420 - 423:
"Das tiefste Geheimnis von Proust Leben, die eigentliche
Quelle jener Spannungen, aus denen die Größe seiner Seele,
seine Güte und sein Mut, sein Roman und sein Laster entstanden waren, drang jetzt an die Oberfläche. Sie wurde in
Handlungen sichtbar, die zu gleicher Zeit widerwärtig und
absurd sind, für die aber alle seine sündigen Menschbrüder
ihm in einem Schauer des Mitleidens die Absolution erteilen
sollten. Vielleicht waren diese Sünden sogar für seine Erlösung notwendig. Der nie geheilte Abszeß kindlicher
Aggression wurde nach vierzig Jahren geheilt, so daß er
endlich frei und zum Sterben bereit war. Aus der Darstellung
aller dieser Schrecklichkeiten im Roman geht hervor, daß
dieser tiefe Selbstanalytiker sich ihrer Bedeutung vollkommen bewußt war, wenn auch die Motive aus den untersten
Schichten seines Unbewußten stammten.
Der erste der Racheakte bestand darin, daß er die Möbel,
die seinen Eltern gehört hatten, an Alberts Bordell wegschenkte. Als der Erzähler der Besitzerin von Blochs Bor-
dell Tante Léonies Stühle und Kanapee schenkt, packt ihn
die Reue, als er sieht, wie sie 'in diesem martervollen
Kontakt, dem ich die Wehrlosen ausgeliefert hatte, Qualen
ausstehen'". 'Hätte ich einer Toten Gewalt angetan", fügt
er hinzu, 'hätte ich nicht so gelitten." Die tote Frau,
die Proust schuf und vergewaltigt vor sich sah, war seine
eigene Mutter. 'Ich kehrte zu der Kupplerin daraufhin nicht
mehr zurück', sagt der Erzähler, 'denn die Erbstücke schienen
mir zu leben und mich anzuflehen wie in einem persischen
Märchen die scheinbar leblosen Dinge, in denen Seelen eingeschlossen sind, die ein Martyrium erdulden und um Be-
freiung bitten." Proust jedoch kehrte wieder und wieder
zu Albert zurück.
Sein Leben lang hatte Proust die Gewohnheit, seinen neuen
Freunden, wie ein nicht ganz unschuldiges Gesellschaftsspiel, seine Kollektion von Photographien vorzuzeigen. Er
hatte dieses Spiel mit Lucien Daudet getrieben, als dieser
ihn zum ersten Mal zum Tee in seinem Schlafzimmer besuchte
und unpassenderweise gesagt hatte: 'Ich würde mich lieber
mit Ihnen unterhalten', und er hatte es kürzlich wiederholt,
als Paul Morand ihm am 16. Dezember 1916 seinen ersten Besuch machte. Aber jetzt begann die Sache finsterer auszu-
sehen. Proust erschien, wie Albert später Maurice Sachs
erzählte, eines Tages mit einem Packen Photographien 'von
lieben oder erlauchten Damen' im Hôtel Marigny. Der Metzgerbursche oder Telegraphenbote, der sein Gefährte für den
Abend war, hätte diese ganz gewiß mit der größten Hochachtung
betrachtet, da es gerade in Proletarierkreisen gewöhnlich
ein ehrfürchtig vollzogener Ritus ist, Familienphotographien
anzuschauen. Der junge Mann hatte jedoch genaue Instruktion
von Albert, und wenn er das Portrait von Prousts hochverehrter Princesse Hélène de Chimay erblickte, hatte er
pflichtschuldigst auszurufen: 'Und wer zum Teufel ist diese
kleine Hure?' Manchmal war das derart entweihte Bild eine
Photographie von Mme Proust; und so wiederholte Proust im
eigenen Leben die Szene, die er Mademoiselle Vinteuil in
Montjouvain mit dem Bild ihres Vaters spielen läßt. Es trifft
aber sowohl für Proust als auch für Mademoiselle Vinteuil
zu (die ihr Leben gleichfalls ihrem Laster und dem Gedenken
ihrer verstorbenen Eltern weihte), daß diese abscheuliche
Handlung nicht nur ein Symptom für Haß, sondern für eine
verwundete, lebenslange Liebe war.
Die Geschichte von Proust und den Ratten läuft noch heute
in verschiedenen, teils absurden Versionen unter den Invertierten von Paris und ihren ausländischen Besuchern um.
Leider besteht kein Zweifel daran, daß sie grundsätzlich
wahr ist, da sie von mehreren, voneinander unabhängigen
Zeugen bekräftigt wird und außerdem unmißverständlich, wenn
auch versteckt, im Roman erscheint. Maurice Sachs hörte sie
von Albert Le Cluziat, Gide und Bernard Fay und Boni de
Castellane von Proust selbst; und zwischen den beiden
Weltkriegen war es ein beliebtes Vergnügen, den Taxichauffeur
aufzusuchen, der mit stolzem und strahlendem Lächeln versicherte: 'Ich war es, der immer die Ratten zu Monsieur
Marcel brachte!' Dann schaute Proust sich an, wie die armen
Tiere mit Hutnadeln gestochen worden. Diese Szene wird bei
dem Besuch des Erzählers in Doncières ausgedeutet. Er spricht
dort von den 'Albträumen mit ihren phantasievollen Auswahlmappen, in denen unsere verstorbenen Eltern einen schweren
Unfall durchmachen, der eine nahe Heilung jedoch nicht ausgeschlossen erscheinen läßt. In der Zwischenzeit hegen wir
sie in einem kleinen Rattenkäfig, in dem sie, kleiner als
weiße Mäuse und mit dicken roten Beulen bedeckt, aus deren
jeder eine Feder sprießt, ciceronianische Reden an uns
halten.' Hier haben wir die Ratten, ihre Wunden, die Hutnadeln und den Drahtkäfig, in dem sie gefangen und ihm
gebracht wurden."
Während er also die Photographien seiner Nächsten betrachtete und dabei der "Metzgerbursche" seine unflätigen Bemerkungen machen mußte,
wurden die Ratten eben von diesem oder
auch von anderen "Burschen" erstochen...